Das gute Leben
November 10, 2008
Arbeitstechnisch hält sich die Begeisterung seit jeher Grenzen, privat ist auch inzwischen Ernüchterung eingetreten. Jedoch ist mir einiges bewusst geworden: Ich vermisse meine Heimat Deutschland, die Verlässlichkeit, die Professionalität, den Fortschritt und meine Freunde und Familie. Ich bin eben ein Deutscher. Was ich mir ausgedacht hatte mit Berufseinsteigerprogramm bei Malteser International, humanitärer Hilfe und UNHCR hört sich alles wahnsinnig toll an, aber es ist alles nicht ich. Ich bevorzuge eine gewisse Ordnung, Verlässlichkeit und ein hohes Maß an Professionalität, ganz zu schweigen von einem gewissen Grad an Luxus und kultureller Vielfalt.
Allein aufgrund dieser Erkenntnis hat sich das Auslandspraktikum schon jetzt gelohnt.
Vor einigen Tagen hatte ich Textpassagen aus dem im Seminar „Glück in der Sozialen Arbeit“ von Herrn Prof. Blomberg vorgeschlagenen Buch „Glückssache – Die Kunst gut zu leben“ gelesen. Darin stand geschrieben, wie wichtig es ist, Vorstellungen vom eigenen gelungenen Leben zu haben, der sich unter anderem aus einem Lebensplan mit Nah- und Fernzielen zusammensetzt. Meine Pläne waren schon seit jeher sehr konkret. So konkret, dass ich sie von Zeit zu Zeit umwälzen musste. Hätte ich mir in der Vergangenheit noch Träumerei unterstellt und unterstellen lassen, ist das nach dieser Erkenntnis nicht mehr so leicht möglich.
Denn erstens, sind Träume unser Motor, der uns jeden Morgen wieder aus dem warmen Schoß der heimischen Federbettchen steigen lässt. Zweitens, sind Träume, sofern sie realistisch und somit für uns erreichbar bleiben, gleichzeitig Lebenspläne. Es ist meines Erachtens der beste Weg, konkreteste Lebenspläne zu haben und diese lieber mehrfach zu revidieren, anstelle das Leben lang, so in den Tag hineinzuleben und nur für den Moment zu leben. Man sollte dabei jedoch beachten, dass die Verweigerung vor umfassenden Lebenspläne bereits ein Lebensplan ist, der in alle Bereiche eines Daseins einwirkt und somit umfassend ist.
Gewiss, genieße denn Moment! Du lebst hier und jetzt!
Das ist jedoch alles bereits Bestandteil in einem durchdachten Lebenskonzept vom guten Leben. Und ich bin dermaßen fähig, das hier und jetzt zu genießen!! Zum Beispiel, wenn ich mich samstagmorgens um 6 Uhr mit Mütze und Schal bewaffnet auf den Weg in die Frühsauna mache und alles nach Neuanfang riecht, man die Vögel zu Wort kommen lässt und der Morgentau den ersten Sonnenstrahlen die verdienten Ehren zukommen lässt, dann ist dies Lebensgenuss pur und mein ganzes Sein wird durchdrungen vom Glück. Manchmal reicht auch ein gutes Stück Käse………!
Mein Praktikum hätte mir gewiss nicht die Erleuchtung gebracht, wenn ich nicht vorher schon Ziele definiert hätte. Auf diesem Weg konnte ich herausfinden, ob diese Ziele überhaupt zu meinem Weg passen. Und das tun sie eben nicht. Null Problemo! Ich habe ja Alternativen im Überschuss!
Nachdem auf der letzten Milonga im LeMeridien, die Chefin eines Ballettensembles auf mich aufmerksam wurde und meine Art zu tanzen so bezaubernd fand, werde ich nach meinem Bachelor-Abschluss Balletttänzer.
Hihi!
Nein, nein, das werde ich nicht! Tanzen ist mein Hobby! Die Freude daran und die Leichtigkeit darin will ich noch lange erhalten!
Meine Alternative wohnt in der Nordschweiz. Wo ich 2010 in der Nähe von Basel an der FHNW den Master in „Sozialer Innovation“ machen möchte. Zwischendrin noch ein Jahr in Berlin mit Praktikum im Sozialen Dienst der Charité (Zusage habe ich bereits) und Nebenerwerbstätigkeit als evtl. Nachtwache, Honorarkraft oder Schornsteinfeger. Vielleicht finde ich auch eine reiches Fräulein, das mich zeitweise mit Nährstoffen und Energie versorgt. Das wird sich allerdings erst zeigen, aber ist nicht notwendiger Bestandteil meiner Lebensplanung.
Zwei Japaner und ein Hallelujah
November 7, 2008
Nebenan freut sich der nachbarliche Familienverbund über den eben erfolgten Rückstand des Inter Mailands und Del Piero hat’s verbockt oder aber auch nicht. Keine Ahnung! Mein Fussballwissen ist begrenzt, meine Technik perfekt! Ich weiß, wie ein Abseits funktioniert, dass der Ball rund ist, dass das Runde ins Eckige muss und dass man foulen darf, wenn der Schiri gerade anderweitig beschäftigt ist. Ob der Piero nun die Formel 1 gewinnt oder nicht ist mir Schnuppe, Puppe!
Und da wir nun zufälligerweise beim Thema Sport gelandet sind, fahre ich nun via Japan Richtung Kendo:
Gestern erneut aufgrund des Malta Film Festivals im St. James Cavalliers-Kino gewesen und den Anime Vexille gekuckt. Futuristischer Japan-Science-Fiction mit Tiefgang und authentischer HighDef-Grafik! Sehenswert! Japanisch mit englischem Untertitel!
Anschließend einen kleinen Abstecher auf das diese Woche stattfindende Malta Youth Festival genehmigt und über die Kendo-Jungs gestaunt. Kendo ist eine alte Japanische Kampfkunst bei der man sich mit Bambusstöcken bewaffnet die Köpfe einschlägt.
Faszinierend! Und zwar dermaßen, dass ich kommenden Samstag bei einem Probetraining mitmachen werde und wenn’s taugt, dann bekomm ich zweimal in der Woche Bambus zu futtern. Aber im ernst, die Montur, besonders der Helm, die Ruhe vor dem Sturm und anschließend der Schrei des „Ki-ais“ während das Schwert blitzschnell auf Kopf, Brust oder Bauch des Gegners niedersaust sind genau mein Ding. Ich bin nämlich in Wirklichkeit Samurai … und Koch … und Tänzer … und Hanswurst … Metzger … Richter … Innenarchitekt … Entdecker … Nervensäge … Liebhaber … Freund … Sohn … Bruder … Künstler … Akademiker … Trunkenbold … und offen für viele unbesetzte Rollen im gesellschaftlichen Rampenlicht.
Alles in allem, bin ich
….ICH
Ein Hoch auf unsern Busfahrer!
November 3, 2008
Na das war mal eine mehr oder weniger spannende Woche.
Aus meinem Treffen mit Joe Caldona, dem Sozialarbeiter vom Balzar Open Centre, ist nichts geworden.
Denn entweder ist die Kommunikation zwischen Busfahrer und mir mal ganz daneben gegangen oder ich bin Opfer der scheinbar nicht ganz so seltenen Busfahrer’schen Touristenphobie geworden, welche in einer handfesten Verarsche enden sollte. Zugegeben, ich persönlich konnte bisher nicht über die Busfahrer klagen, daher plädiere ich auf unschuldig. Es steht jedoch wohl in annähernd jedem Reiseführer der etwas auf sich hält, hört was von anderen Leuten oder liest, wie meiner einer einen Leserkommentar einer „Langezeitinmaltalebenden“, die die unmöglichen Zustände von Bussen und Personal anprangert.
Und wie verhält sich dann der Ottonormalheini und die Ottonormalhenriette? Man sucht nach Bestätigung des vermeindlichen Vorwissens. Kognitive Dissonanz nennt man das meines Wissens! (An dieser Stelle, herzlichen Dank, Herr Prof. Lenz!) Und das passiert uns alle Tage! Wir hören von Jemandem von Jemandem von Jemandem oder halten an einem ersten (schlechten) Eindruck fest, bilden uns auf die Schnelle Thesen über dessen Charakter, haben ein passendes Bild zu Recht gekleistert, laufen anschließend mit roten, grünen, blauen oder rosa und je nach Erziehung, Bildung, (Genen), Sozialisation unterschiedlich dicken Brillengläsern herum, und nehmen uns und der Person die Chance die eigenen Wahrheiten zu erkennen.
Ja, die Busse sind alt, heruntergekommen, rostig, eng und holprig! Aber sie haben Ausstrahlung, sind gelb und die Einzelfahrt kostet 47 Cent! Einziger großer Nachteil: Alte Motoren schlucken ordentlich flüssiges Gold und das schadet, wie bereits hinreichend bekannt, der Umwelt! Und die Busfahrer? Sie sind männlich, alt und jung, mit Glatze, grauen Haaren, Schmalzlocken, Tattoos, Goldketten, gläubige Katholiken und Busfahrer. Der eine so, der andere so, jeder tut seinen Job. Und da Arbeit in vielen Fällen nicht mit einem Lächeln von den Lippen geht, ist es für mich verständlich, dass ein Busfahrer, der keine spezielle pädagogische, psychologische sowie pyrotechnische Ausbildung genießen durfte, in den seltensten Fällen mit Begrüßungssekt und Böllerschüssen aufwartet.
Zurück zum Thema Balzar Open Centre! Ich wollte mich vor Ort mit Joe treffen, was dann nicht geklappt hatte, da ich dank Kommunikationsproblemen im Marsa Open Centre gelandet bin. Dort sind in Hafennähe an die 600 vorwiegend afrikanische Männer untergebracht. Es stinkt aufgrund des angrenzenden Abwasserkanals nach verdorbenen Eiern. Ein paar Leute trinken und tanzen in der Kneipe. Ich stehe am Rand und bin trotzdem im Mittelpunkt. Ich bin Fremder unter Fremden.
Karl Valentin zum Thema Fremdsein!
Den Rest der Woche habe ich ruhig und etwas zurückgezogen verbracht. Heute Morgen war ich in der St. Johns Co-Cathedral beim Gottesdienst mit 8 oder 9 Geistlichen und 7 Ministranten. Heute Abend geht’s noch im Rahmen des Malta Film Festivals in den Kinofilm City of Men.
Und ab morgen werden wieder Nägel mit Köpfen gemacht.
Liebe Grüße,
Tobias
Ruft mich an! Fuer lau!
Oktober 28, 2008
Fette Nacht(ge)schichten
Oktober 27, 2008
An diesem verregneten Sonntagnachmittag faulenze ich in meiner Wohnung und lese das Buch „Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?“ zu Ende, welches mir die liebe Debbie und meine Mitbewohner Martin, Nico, Martin 2.0 und unser Ex-MB Daniel alias der Spanier zum Abschied geschenkt hatten. Vielen lieben Dank nochmal, es ist wirklich unterhaltsam lesenswert, allerdings nicht durchwegs schlüssig. Gottseidank legen sich nun schön langsam die letzten Symptome meines Nasensprayentzugs und bald kann ich wieder in vollem Ausmaß meiner Lieblingsbeschäftigung frönen – dem Essen.
Denn was wäre ein waschechter Sonntag in Malta ohne (Kirche und) Kuchen, besser gesagt Pastizzi. Pastizzi sind Schlagsahnegranaten mit giftgrünen oder rosafarbenen Zuckerfrüchten auf Butterteig. Ganz besonders zu empfehlen sind die Datteltaschen, eine in heißem Fett gebackene Teigtasche mit wunderbar cremiger Dattelfüllung. Doch Vorsicht ist geboten! Nach der Dritten wurde es mir kurzzeitig übel, ich bekam Schweißausbrüche und mein linker Arm fühlte sich taub an. Nichtsdestotrotz steht diese Leckerei auf meinem Diätplan der kommenden Woche. Ich möchte ja schließlich bald zu den dicksten Europäern gehören, was weder die Briten oder die Deutschen noch die Amerikaner sind, sondern die Griechen und die MalteserInnen.

Heute gibt’s laut Diätplan zwei „Frucht“-Schnitten: Nennen wir das eine „Pudding-Tanker mit Traubenbesatzung“ und die Nummer Zwei „Schoko-Sarg für besoffene Rosinen“ (Für die Bisswunde ist der dicke Hund verantwortlich.)

Das ist der dicke Hund von einem Nachbarn: Er bewegt sich nur zum Fressen, zu zwingenden Geschäftsverabredungen mit Bäumen und Straßenlaternen und gelegentlich bei Erdbeben der Stärke 12. Ansonsten schläft er dermaßen niedrigfrequent, dass man schon sehr genau hinsehen und unter Umständen auch mal ein Paar Minuten warten muss, um das Geld für den Fährmann wieder einpacken zu können.
Unter der Woche und an Wochenenden kann man hier übrigens allabendlich fette Party machen. Dazu gibt’s Paceville, das Vergnügungsviertel Maltas. Beim ersten Eindruck reiht sich noch ziemlich beeindruckend Disco an Bar, Bar an Fressbude, Fressbude an Bar, Fressbude an Disco. Vor allem an Wochenenden vertreiben sich hunderte oder auch tausende junge Leute aus Malta und dem Rest der Welt bei hundertausend Dezibel und 5 Promille in den seelenlosen Lokalitäten die Sinnlosigkeit und Langeweile. Sinnlos, langweilig und seelenlos! Harte Worte! Jedoch mit eben diesem „SEELENLOS“ hat eine meiner maltesischen TangofreundInnen den Nagel auf den Kopf getroffen und das ausformuliert, was ich bei meinen beiden Besuchen gefühlt und mit maßlos billigem 2for1-Alkohol mehr oder weniger erfolgreich zu verdrängen suchte. „MTV fucked their soul!“ Haargenau!! Hier geben sich die Fashion-Victims den Möchtegern-Hustlern und –Paris Hiltons die gepimpte Klinke in die Hand und tanzen zu crazy Klingeltönen. Okay, das mit den Klingeltönen bitte nicht wörtlich nehmen, sondern bildhaft verstehen, anschließend mit kommerzieller (Ibizia-)House-Musik, Mikro-Röcken und US-amerikanischen Paarungstänzen mixen. Ergebnis: Paceville alias Ibiza alias Malle allias Resi alias Ox alias schnelles Geschäft alias Gehirn ausschalten alias Dazugehören.
Unter anderem aus diesem Grund habe ich vor einiger Zeit zum Tango Argentino zurückgefunden. Diesen kann ich hier, anders als in Paderborn, gleich zweimal in der Woche ausüben. Die restlichen Abende versüße ich mir durch englischsprachige Arthaus- und Blockbusterkinobesuche sowie anschließendem nächtlichem Herumstreunen, Fotografieren, Lesen, die abendliche Genusszigarette auf meinem Balkon rauchen, Gitarre Spielen, Nachdenken und Pläne schmieden.
Mein Plan für nächste Woche steht übrigens bereits und der Projektplan ist auch schon so gut wie unter Dach und Fach.
Es geht rund mit dem jungen Hund!
Liebe Grüße,
Tobias
Mezzanin, Mord und Totschlag und der Tango Argentino
Oktober 20, 2008
Jetzt ist genau 23.23h, an einem leicht unterkühlten Sonntag in Valletta, der Hauptstadt Maltas. Mein Bäuchlein ist bedient mit Lampuki und frischem Salat, Feta-Käse, goldenen Rosinen und kaltem Assam-Tee. Im Hintergrund läuft orientalisch-elektronische Musik von Mercan Dede’s Album Secret Tribe NAR und ich bin endlich in der Stimmung, die letzten Tage revuepassieren zu lassen.
Ich fange am besten mit dem vergangenen Mittwoch an, mit einer kleinen Bildergeschichte meiner neuen Wohnung. (Nein, ich bin nicht schon wieder umgezogen, sondern habe mich beim vorhergegangenen Eintrag in der Hausnummer geirrt.) Macht nix, die Endgültige war und bleibt meine erste Wahl. Nicht nur dass ich in dieser Wohnung den einen oder anderen Blick aufs Meer erhaschen kann, nein, ich bin im Besitz des weltgrößten Weckers. Es ist ein christlicher Wecker, wie fast alles auf dieser schönen Insel und hört auf den Namen Sanctuary Basilica of Our Lady of Mount Carmel. Er, der Wecker bzw. sie, die Basilika ist bereits über 500 Jahre alt, funktioniert allerdings immer noch wie eine Schweizer Quarzuhr und weckt mich Tag für Tag um 7h.

Rechts die SBoALoMC, die Straße davor ist die Old Mint Street und dort rechts abgebogen führt sie in 100 Metern zur Mezzanin mit der Hausnummer 56E.

Die Dritte der drei Türen und der grüne Erker darüber bezeichnen mein deutsches Reich. (Mit Verlaub, als Kosmopolit darf man sich derartige Wortspiele erlauben.) Und am Ende der Straße beginnt das Meer, welches dem Lampuki genügend Raum bieten sollte, sich vor mit zu verstecken.
Und dann war es auch schon Donnerstag. Und für diesen und die nächsten Tage bin ich einer meiner Leidenschaften nachgegangen und habe einen viertägigen Tango Argentino – Workshop bei Eric Jeurissen aus Holland gebucht. Jeden Tag knapp zwei Stunden Tangounterricht, viele neue Bekanntschaften gemacht, Tango-Ego massiert und viel dazugelernt. Nun habe ich abseits von AustauschstudentInnen in Touristen-Ghettos in meiner Freizeit Anschluss bei den überaus freundlichen maltesische Mitmenschen gefunden und bin sehr motiviert in Bezug auf meine weiteren Missetaten. Denn nicht nur dass ich jetzt jeden Donnerstag meine verehrten Tangitas und Tangueros auf der Milonga treffe, ich hab nun eine Tanzpartnerin mit der ich mich jeden Dienstag für eine Stunde zum Tango Argentino üben treffen werde. Die charmante Person heißt Yvette, ist ihres Zeichens professionelle Flamenco-Tänzerin und Schauspiellehrerin für Drama und in meinem Augen sehr begabt, da es mir mit Ihren dreimonatigen Tango Argentino – Erfahrungen wahnsinnig viel Freude bereitet zusammen das Tanzbein zu schwingen.
Gestern war eine Milonga in der Lounge im Edelhotel des Le Meridien in St. Julians angesagt, wo ich bis spät in die Nacht dem Tango Argentino frönen durfte. (Kostenpunkt bei null Eintritt und 7,80EUR für zwei Kinnies (bittere Orangen-Kräuterlimonade, sozusagen Maltas Nationalgetränk, und ein HopLeaf (Bier) für eine 4-Sterne-Lokation, wunderschönen Frauen in Abendkleidern und dieser wunderbaren Aussicht auf St. Julians und das Meer).
Und schon sind wir beim heutigen Tag angekommen, wo ich als besonderen Höhepunkt bei der Hinrichtung einiger aufmüpfiger Malteser zuschauen durfte. Nebenbei wurde noch viel geschossen, gesungen und getötet. Das als zum Vorzugspreis von 2,33EUR für ISIC-Studenten.
Viel mehr möchte ich nun nicht mehr dazu sagen, da ich müde bin, es jetzt 00.30h ist, ich morgen Früh um 7h geweckt werde um frischen Tintenfisch auf dem hiesigen Fischmarkt zu kaufen.
Ich schick Euch allen liebe Grüße nach Deutschland und sonstwohin und wünsche noch viel Spaß mit den selbstgedrehten Actionfilmen und Beweisfotos.
Euer Tobias
Keine Begeisterung sollte größer sein als die nüchterne Leidenschaft zur praktischen Vernunft. Helmut Schmidt
Oktober 14, 2008
Heute bin ich mal müde und führe mir daher den hochverehrten Karl Valentin zu Gemüte!
Kurz und bündig! zum Thema BlaBla
Am besten 2x hören!
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Frühmorgens über den Dächern von Malta trällert Pavarotti, Bocelli oder die Callas Franz Schuberts Ave Maria.
Aha, so bitte geht’s zu Gott
Oktober 12, 2008
Hope there’s someone von Antony and the Johnsons
Nachdem mich die gospelsingenden Joy-Singers bei der White Night so begeistert hatten, musste ich mir ein Wiedersehen gönnen. Aus diesem Grund und meiner persönlichen Mission machte ich mich gestern mit dem Bus nach Tar’xien auf, um einer Jugendmesse in der Parish Church beizuwohnen.
Viel verstanden hab ich nicht, bis auf jene Stellen, die ein Vater unser bzw. Gegrüßet-seist-Du-Maria vermuten ließen und dass einer der beiden Priester in seiner Predigt einen dicken Lacher geerntet hat, obwohl das Thema irgendwie mit „prostituta“ zusammenhing.
Gestört hat mich das nicht, eher im Gegenteil.
Dadurch, dass ich lediglich irgendwelche unschlüssigen Töne in Form einer meines Erachtens zufällig zusammengeschmissenen Buchstabenkombination mitbekam, konnten meine Gedanken nach einer Weile zur Ruhe kommen und ich mich zentrieren, der Musik lauschen und eine Erkenntnis festmachen. Diese werde ich höchstwahrscheinlich als Thema meiner Bachelor-Thesis bei Herrn Bösch wählen.
Letztendlich konnte ich seit vielen Jahren zum ersten Mal wieder eine Hostie in Empfang nehmen ohne den Stolz meiner Vernunft zu hintergehen.
Penthouse für Spartaner
Oktober 12, 2008
Inzwischen bin ich ja für ein paar Tage umgezogen, in eine Penthouse-Wohnung. Naja, Penthouse in meinem bisherigen Verständnis hieße exquisites Wohnen mit allerlei Schnickschnack und das alles zu einem mindestens dopppelt so exquisiten Preis. Bei mir sieht das etwas anders aus. 70er/80er-Jahre-Möbel mit Dusche/Bad und einer Dachterrasse, die ich normalerweise nicht betreten sollte, damit die Dachpappe nicht verstümmelt wird. Ich mach es trotzdem, auf leisen Barfußpfoten, um meinen persönlichen Vorteil aus den zig Wlan-Netzen zu ziehen. Gegenüber der alten Miete im Studenten-/Touristenbunker spare ich mir übrigens einen Zehner pro Nacht, habe eine sehr nette (mittel-)ältere Vermieterin zum Plauschen – sie ist/war Musik-/Tanzlehrerin und hat mir für die nächsten Monate eine etwas in Mitleidenschaft gezogene Gitarre überlassen – und fühle mich hier oben, mit nur einer einzigen Betondecke über mir, irgendwie anders, dem Himmel ein Stück näher!
Über Essen, die neue Wohnung und eine karge Schönheit!
Oktober 9, 2008
Jeder braucht‘s, vielen schmeckt‘s, im weniger kennen es! Doch lohnt es sich wirklich, sich etwas mehr damit auseinanderzusetzen. Die Rede ist vom guten, alten Essen.
Wie wir wissen, verlernen wir mehr und mehr, richtig und gesund zu essen. Ich bin beileibe kein Gesundheitsapostel! Das zeigt sich sowohl an meinem (moderaten) Tabakkonsum, als auch meiner Vorliebe für fettige Speisen wie des Bayern liebsten Schweinebraten, des Italieners Antipasti und neuerdings des Briten durchaus fettig Corned Beef aus der Dose. Wenn ich allerdings erfahre, dass die Menschen in westlichen Industrieländern dicker und fetter werden, wenn unsere Kühltruhen überquellen mit Din A4-Gouda und ISO 0815-Geflügel-„Mortadella“, wenn Kindern Joghurt nur noch künstlich aromatisiert eine Eindruck von Erdbeere, Kiwi, Mango und Frucht XY vorschwindeln vermag, dann werde ich etwas traurig, dann fühle ich durchaus Mitleid.
Liebe Ess-Uninteressiert, lieb Pfui-Sager, liebe Dauerwurst-Esser, lasst uns gemeinsam einen Feind bekämpfen, der Euch, sowie die Welt, die uns umgibt, krank macht und Euch ein riesiges Stück Lebensqualität raubt. Ich schreibe von Aldi, Lidl und Companion, von billig, billig, billig! Deutschland hat die billigsten Lebensmittel. Hier steht nicht eben günstig, sondern billig. Billig in der Produktion, weil Massenproduktion, billig im Verkauf, weil Dumping-Löhne, billig im Esserlebnis, weil Einheitsbrei, und wenn die Qualität nicht zufrieden stellt, wird der Ausgleich meist mittels entsprechender Quantität erzielt.
Ergebnis: Dicke Bäuche, konsumgeile Modepüpchen, Autotuner, renditestarke Aktienpakete und Börsencrashs.
Ihr fragt Euch jetzt sicher wie ich plötzlich einen Zusammenhang zwischen Esskukltur und konsumgeilen Modepüpchen bzw. renditestarken Aktienpaketen auftischen kann.
Ganz einfach:
Während wir noch vor einigen wenigen vielen Jahren mehrheitlich damit beschäftigt waren unseren lieben langen Tag Essen zu jagen, zu sammeln, zu säen, zu ernten, zu tauschen, um anschließend mit Freude und Hingabe die Früchte unsere harten Arbeit gemeinsam feierlich, gleichwohl dankbar zu genießen, bleibt doch heute höchstens der Blitzbesuch beim Discounter, der Mega-Snack beim Mäc oder die 5-Minuten-Maggie-Terrine.
Wir nehmen uns keine Zeit mehr für so etwas vermeintlich Profanes, jedoch Grundlegendes wie Nahrungsaufnahme.
Klar, dass sowas nicht glücklich machen kann! Da muss Reichtum, Konsum und Fun aushelfen. Und das ganze immer höher, schneller, weiter, happy-hour-breiter!
Doch im Essen steckt soviel Potential! Eine Geschmacksexplosion jagt die nächste! Jedes einzelne Land auf dieser Erde hält unzählige Schätze bereit, die es lohnt zu entdecken.
Beispielsweise Malta (wie sollte es anders sein) hat mir wieder eine kulinarische Bandbreite eröffnet, die ich so schnell nicht ausgeschöpft haben werde. Hier trifft sich der Orient, mit Italien, Großbritannien und eine Insel mitten im Meer mit dem Namen Malta. Die Supermärkte sind mit einer Vielzahl an Leckereien ausgestattet, so dass sich meiner Einer fühlt wie Gott in Frankreich.
Ganz besonders ist mir mein Glück beim heutigen Lidl-Besuch aufgefallen. Mehr als eine Reckstange für gepflegt Klimmzüge ist nicht drin gewesen.
Einheitsbrei! Da macht`s keinen Sinn, das gesuchte Stück Käse zu jagen!
Aber da ich jetzt vom Dichten Müde bin, gibt’s meine kommende Wohnung und eine karge Schönheit nicht mehr in Worten, sondern nur noch in Bilder. Viel Spaß!
Euer Tobias

Mein Domizil für die kommenden drei Monate. Braune Tür rechts und der typisch maltesische Erker über der grünen Tür.





























