Ruft mich an! Fuer lau!
Oktober 28, 2008
Fette Nacht(ge)schichten
Oktober 27, 2008
An diesem verregneten Sonntagnachmittag faulenze ich in meiner Wohnung und lese das Buch „Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?“ zu Ende, welches mir die liebe Debbie und meine Mitbewohner Martin, Nico, Martin 2.0 und unser Ex-MB Daniel alias der Spanier zum Abschied geschenkt hatten. Vielen lieben Dank nochmal, es ist wirklich unterhaltsam lesenswert, allerdings nicht durchwegs schlüssig. Gottseidank legen sich nun schön langsam die letzten Symptome meines Nasensprayentzugs und bald kann ich wieder in vollem Ausmaß meiner Lieblingsbeschäftigung frönen – dem Essen.
Denn was wäre ein waschechter Sonntag in Malta ohne (Kirche und) Kuchen, besser gesagt Pastizzi. Pastizzi sind Schlagsahnegranaten mit giftgrünen oder rosafarbenen Zuckerfrüchten auf Butterteig. Ganz besonders zu empfehlen sind die Datteltaschen, eine in heißem Fett gebackene Teigtasche mit wunderbar cremiger Dattelfüllung. Doch Vorsicht ist geboten! Nach der Dritten wurde es mir kurzzeitig übel, ich bekam Schweißausbrüche und mein linker Arm fühlte sich taub an. Nichtsdestotrotz steht diese Leckerei auf meinem Diätplan der kommenden Woche. Ich möchte ja schließlich bald zu den dicksten Europäern gehören, was weder die Briten oder die Deutschen noch die Amerikaner sind, sondern die Griechen und die MalteserInnen.

Heute gibt’s laut Diätplan zwei „Frucht“-Schnitten: Nennen wir das eine „Pudding-Tanker mit Traubenbesatzung“ und die Nummer Zwei „Schoko-Sarg für besoffene Rosinen“ (Für die Bisswunde ist der dicke Hund verantwortlich.)

Das ist der dicke Hund von einem Nachbarn: Er bewegt sich nur zum Fressen, zu zwingenden Geschäftsverabredungen mit Bäumen und Straßenlaternen und gelegentlich bei Erdbeben der Stärke 12. Ansonsten schläft er dermaßen niedrigfrequent, dass man schon sehr genau hinsehen und unter Umständen auch mal ein Paar Minuten warten muss, um das Geld für den Fährmann wieder einpacken zu können.
Unter der Woche und an Wochenenden kann man hier übrigens allabendlich fette Party machen. Dazu gibt’s Paceville, das Vergnügungsviertel Maltas. Beim ersten Eindruck reiht sich noch ziemlich beeindruckend Disco an Bar, Bar an Fressbude, Fressbude an Bar, Fressbude an Disco. Vor allem an Wochenenden vertreiben sich hunderte oder auch tausende junge Leute aus Malta und dem Rest der Welt bei hundertausend Dezibel und 5 Promille in den seelenlosen Lokalitäten die Sinnlosigkeit und Langeweile. Sinnlos, langweilig und seelenlos! Harte Worte! Jedoch mit eben diesem „SEELENLOS“ hat eine meiner maltesischen TangofreundInnen den Nagel auf den Kopf getroffen und das ausformuliert, was ich bei meinen beiden Besuchen gefühlt und mit maßlos billigem 2for1-Alkohol mehr oder weniger erfolgreich zu verdrängen suchte. „MTV fucked their soul!“ Haargenau!! Hier geben sich die Fashion-Victims den Möchtegern-Hustlern und –Paris Hiltons die gepimpte Klinke in die Hand und tanzen zu crazy Klingeltönen. Okay, das mit den Klingeltönen bitte nicht wörtlich nehmen, sondern bildhaft verstehen, anschließend mit kommerzieller (Ibizia-)House-Musik, Mikro-Röcken und US-amerikanischen Paarungstänzen mixen. Ergebnis: Paceville alias Ibiza alias Malle allias Resi alias Ox alias schnelles Geschäft alias Gehirn ausschalten alias Dazugehören.
Unter anderem aus diesem Grund habe ich vor einiger Zeit zum Tango Argentino zurückgefunden. Diesen kann ich hier, anders als in Paderborn, gleich zweimal in der Woche ausüben. Die restlichen Abende versüße ich mir durch englischsprachige Arthaus- und Blockbusterkinobesuche sowie anschließendem nächtlichem Herumstreunen, Fotografieren, Lesen, die abendliche Genusszigarette auf meinem Balkon rauchen, Gitarre Spielen, Nachdenken und Pläne schmieden.
Mein Plan für nächste Woche steht übrigens bereits und der Projektplan ist auch schon so gut wie unter Dach und Fach.
Es geht rund mit dem jungen Hund!
Liebe Grüße,
Tobias
Mezzanin, Mord und Totschlag und der Tango Argentino
Oktober 20, 2008
Jetzt ist genau 23.23h, an einem leicht unterkühlten Sonntag in Valletta, der Hauptstadt Maltas. Mein Bäuchlein ist bedient mit Lampuki und frischem Salat, Feta-Käse, goldenen Rosinen und kaltem Assam-Tee. Im Hintergrund läuft orientalisch-elektronische Musik von Mercan Dede’s Album Secret Tribe NAR und ich bin endlich in der Stimmung, die letzten Tage revuepassieren zu lassen.
Ich fange am besten mit dem vergangenen Mittwoch an, mit einer kleinen Bildergeschichte meiner neuen Wohnung. (Nein, ich bin nicht schon wieder umgezogen, sondern habe mich beim vorhergegangenen Eintrag in der Hausnummer geirrt.) Macht nix, die Endgültige war und bleibt meine erste Wahl. Nicht nur dass ich in dieser Wohnung den einen oder anderen Blick aufs Meer erhaschen kann, nein, ich bin im Besitz des weltgrößten Weckers. Es ist ein christlicher Wecker, wie fast alles auf dieser schönen Insel und hört auf den Namen Sanctuary Basilica of Our Lady of Mount Carmel. Er, der Wecker bzw. sie, die Basilika ist bereits über 500 Jahre alt, funktioniert allerdings immer noch wie eine Schweizer Quarzuhr und weckt mich Tag für Tag um 7h.

Rechts die SBoALoMC, die Straße davor ist die Old Mint Street und dort rechts abgebogen führt sie in 100 Metern zur Mezzanin mit der Hausnummer 56E.

Die Dritte der drei Türen und der grüne Erker darüber bezeichnen mein deutsches Reich. (Mit Verlaub, als Kosmopolit darf man sich derartige Wortspiele erlauben.) Und am Ende der Straße beginnt das Meer, welches dem Lampuki genügend Raum bieten sollte, sich vor mit zu verstecken.
Und dann war es auch schon Donnerstag. Und für diesen und die nächsten Tage bin ich einer meiner Leidenschaften nachgegangen und habe einen viertägigen Tango Argentino – Workshop bei Eric Jeurissen aus Holland gebucht. Jeden Tag knapp zwei Stunden Tangounterricht, viele neue Bekanntschaften gemacht, Tango-Ego massiert und viel dazugelernt. Nun habe ich abseits von AustauschstudentInnen in Touristen-Ghettos in meiner Freizeit Anschluss bei den überaus freundlichen maltesische Mitmenschen gefunden und bin sehr motiviert in Bezug auf meine weiteren Missetaten. Denn nicht nur dass ich jetzt jeden Donnerstag meine verehrten Tangitas und Tangueros auf der Milonga treffe, ich hab nun eine Tanzpartnerin mit der ich mich jeden Dienstag für eine Stunde zum Tango Argentino üben treffen werde. Die charmante Person heißt Yvette, ist ihres Zeichens professionelle Flamenco-Tänzerin und Schauspiellehrerin für Drama und in meinem Augen sehr begabt, da es mir mit Ihren dreimonatigen Tango Argentino – Erfahrungen wahnsinnig viel Freude bereitet zusammen das Tanzbein zu schwingen.
Gestern war eine Milonga in der Lounge im Edelhotel des Le Meridien in St. Julians angesagt, wo ich bis spät in die Nacht dem Tango Argentino frönen durfte. (Kostenpunkt bei null Eintritt und 7,80EUR für zwei Kinnies (bittere Orangen-Kräuterlimonade, sozusagen Maltas Nationalgetränk, und ein HopLeaf (Bier) für eine 4-Sterne-Lokation, wunderschönen Frauen in Abendkleidern und dieser wunderbaren Aussicht auf St. Julians und das Meer).
Und schon sind wir beim heutigen Tag angekommen, wo ich als besonderen Höhepunkt bei der Hinrichtung einiger aufmüpfiger Malteser zuschauen durfte. Nebenbei wurde noch viel geschossen, gesungen und getötet. Das als zum Vorzugspreis von 2,33EUR für ISIC-Studenten.
Viel mehr möchte ich nun nicht mehr dazu sagen, da ich müde bin, es jetzt 00.30h ist, ich morgen Früh um 7h geweckt werde um frischen Tintenfisch auf dem hiesigen Fischmarkt zu kaufen.
Ich schick Euch allen liebe Grüße nach Deutschland und sonstwohin und wünsche noch viel Spaß mit den selbstgedrehten Actionfilmen und Beweisfotos.
Euer Tobias
Keine Begeisterung sollte größer sein als die nüchterne Leidenschaft zur praktischen Vernunft. Helmut Schmidt
Oktober 14, 2008
Heute bin ich mal müde und führe mir daher den hochverehrten Karl Valentin zu Gemüte!
Kurz und bündig! zum Thema BlaBla
Am besten 2x hören!
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Frühmorgens über den Dächern von Malta trällert Pavarotti, Bocelli oder die Callas Franz Schuberts Ave Maria.
Aha, so bitte geht’s zu Gott
Oktober 12, 2008
Hope there’s someone von Antony and the Johnsons
Nachdem mich die gospelsingenden Joy-Singers bei der White Night so begeistert hatten, musste ich mir ein Wiedersehen gönnen. Aus diesem Grund und meiner persönlichen Mission machte ich mich gestern mit dem Bus nach Tar’xien auf, um einer Jugendmesse in der Parish Church beizuwohnen.
Viel verstanden hab ich nicht, bis auf jene Stellen, die ein Vater unser bzw. Gegrüßet-seist-Du-Maria vermuten ließen und dass einer der beiden Priester in seiner Predigt einen dicken Lacher geerntet hat, obwohl das Thema irgendwie mit „prostituta“ zusammenhing.
Gestört hat mich das nicht, eher im Gegenteil.
Dadurch, dass ich lediglich irgendwelche unschlüssigen Töne in Form einer meines Erachtens zufällig zusammengeschmissenen Buchstabenkombination mitbekam, konnten meine Gedanken nach einer Weile zur Ruhe kommen und ich mich zentrieren, der Musik lauschen und eine Erkenntnis festmachen. Diese werde ich höchstwahrscheinlich als Thema meiner Bachelor-Thesis bei Herrn Bösch wählen.
Letztendlich konnte ich seit vielen Jahren zum ersten Mal wieder eine Hostie in Empfang nehmen ohne den Stolz meiner Vernunft zu hintergehen.
Penthouse für Spartaner
Oktober 12, 2008
Inzwischen bin ich ja für ein paar Tage umgezogen, in eine Penthouse-Wohnung. Naja, Penthouse in meinem bisherigen Verständnis hieße exquisites Wohnen mit allerlei Schnickschnack und das alles zu einem mindestens dopppelt so exquisiten Preis. Bei mir sieht das etwas anders aus. 70er/80er-Jahre-Möbel mit Dusche/Bad und einer Dachterrasse, die ich normalerweise nicht betreten sollte, damit die Dachpappe nicht verstümmelt wird. Ich mach es trotzdem, auf leisen Barfußpfoten, um meinen persönlichen Vorteil aus den zig Wlan-Netzen zu ziehen. Gegenüber der alten Miete im Studenten-/Touristenbunker spare ich mir übrigens einen Zehner pro Nacht, habe eine sehr nette (mittel-)ältere Vermieterin zum Plauschen – sie ist/war Musik-/Tanzlehrerin und hat mir für die nächsten Monate eine etwas in Mitleidenschaft gezogene Gitarre überlassen – und fühle mich hier oben, mit nur einer einzigen Betondecke über mir, irgendwie anders, dem Himmel ein Stück näher!
Über Essen, die neue Wohnung und eine karge Schönheit!
Oktober 9, 2008
Jeder braucht‘s, vielen schmeckt‘s, im weniger kennen es! Doch lohnt es sich wirklich, sich etwas mehr damit auseinanderzusetzen. Die Rede ist vom guten, alten Essen.
Wie wir wissen, verlernen wir mehr und mehr, richtig und gesund zu essen. Ich bin beileibe kein Gesundheitsapostel! Das zeigt sich sowohl an meinem (moderaten) Tabakkonsum, als auch meiner Vorliebe für fettige Speisen wie des Bayern liebsten Schweinebraten, des Italieners Antipasti und neuerdings des Briten durchaus fettig Corned Beef aus der Dose. Wenn ich allerdings erfahre, dass die Menschen in westlichen Industrieländern dicker und fetter werden, wenn unsere Kühltruhen überquellen mit Din A4-Gouda und ISO 0815-Geflügel-„Mortadella“, wenn Kindern Joghurt nur noch künstlich aromatisiert eine Eindruck von Erdbeere, Kiwi, Mango und Frucht XY vorschwindeln vermag, dann werde ich etwas traurig, dann fühle ich durchaus Mitleid.
Liebe Ess-Uninteressiert, lieb Pfui-Sager, liebe Dauerwurst-Esser, lasst uns gemeinsam einen Feind bekämpfen, der Euch, sowie die Welt, die uns umgibt, krank macht und Euch ein riesiges Stück Lebensqualität raubt. Ich schreibe von Aldi, Lidl und Companion, von billig, billig, billig! Deutschland hat die billigsten Lebensmittel. Hier steht nicht eben günstig, sondern billig. Billig in der Produktion, weil Massenproduktion, billig im Verkauf, weil Dumping-Löhne, billig im Esserlebnis, weil Einheitsbrei, und wenn die Qualität nicht zufrieden stellt, wird der Ausgleich meist mittels entsprechender Quantität erzielt.
Ergebnis: Dicke Bäuche, konsumgeile Modepüpchen, Autotuner, renditestarke Aktienpakete und Börsencrashs.
Ihr fragt Euch jetzt sicher wie ich plötzlich einen Zusammenhang zwischen Esskukltur und konsumgeilen Modepüpchen bzw. renditestarken Aktienpaketen auftischen kann.
Ganz einfach:
Während wir noch vor einigen wenigen vielen Jahren mehrheitlich damit beschäftigt waren unseren lieben langen Tag Essen zu jagen, zu sammeln, zu säen, zu ernten, zu tauschen, um anschließend mit Freude und Hingabe die Früchte unsere harten Arbeit gemeinsam feierlich, gleichwohl dankbar zu genießen, bleibt doch heute höchstens der Blitzbesuch beim Discounter, der Mega-Snack beim Mäc oder die 5-Minuten-Maggie-Terrine.
Wir nehmen uns keine Zeit mehr für so etwas vermeintlich Profanes, jedoch Grundlegendes wie Nahrungsaufnahme.
Klar, dass sowas nicht glücklich machen kann! Da muss Reichtum, Konsum und Fun aushelfen. Und das ganze immer höher, schneller, weiter, happy-hour-breiter!
Doch im Essen steckt soviel Potential! Eine Geschmacksexplosion jagt die nächste! Jedes einzelne Land auf dieser Erde hält unzählige Schätze bereit, die es lohnt zu entdecken.
Beispielsweise Malta (wie sollte es anders sein) hat mir wieder eine kulinarische Bandbreite eröffnet, die ich so schnell nicht ausgeschöpft haben werde. Hier trifft sich der Orient, mit Italien, Großbritannien und eine Insel mitten im Meer mit dem Namen Malta. Die Supermärkte sind mit einer Vielzahl an Leckereien ausgestattet, so dass sich meiner Einer fühlt wie Gott in Frankreich.
Ganz besonders ist mir mein Glück beim heutigen Lidl-Besuch aufgefallen. Mehr als eine Reckstange für gepflegt Klimmzüge ist nicht drin gewesen.
Einheitsbrei! Da macht`s keinen Sinn, das gesuchte Stück Käse zu jagen!
Aber da ich jetzt vom Dichten Müde bin, gibt’s meine kommende Wohnung und eine karge Schönheit nicht mehr in Worten, sondern nur noch in Bilder. Viel Spaß!
Euer Tobias

Mein Domizil für die kommenden drei Monate. Braune Tür rechts und der typisch maltesische Erker über der grünen Tür.
Dear European Union, what shall we do with the drunken Sailors?
Oktober 8, 2008
Die ersten Arbeitsage sind vorüber, Grund genug Euch meinen momentanen Arbeitsplatz kurz vorzustellen:
Die Malta Emmigration Commission hat viele verschieden Einsatzgebiete. Das Hauptaugenmerk liegt dabei in der Betreuung von zumeist aus afrikanischen Ländern „angereisten“ Menschen.
Angereist in Anführungsstrichen, da laut meines Wissens eine Reise auf einer gewissen Freiwilligkeit basiert, man dann nach einer Weile von, der Ferne die Schnauze voll hat und letztendlich wieder in den gemütlichen Schoß der heimatlichen Familie und Freundschaften zurückkehrt.
Was aber, wenn der Ausreisegrund ein zwingender Grund ist?
Sei es nun aufgrund eines Bürgerkrieges und bewaffneten Konfliktes wie z. B. im Sudan, Kongo, Tschad, Somalia, Uganda, Burundi, der Zentralafrikanischen Republik, im Senegal, an der Elfenbeinküste, in Nigeria und Angola.
Aufgrund ethnischer und religiöser Verfolgung oder zu erwartender körperlicher Verstümmelung wegen des äußeren „feinen, kleinen Unterschieds“
Möglicherweise auch Angst vor HIV/Aids, wie in den Subsahara-Ländern Afrikas wo im Jahr 2006 etwa 2,1 Millionen Menschen an Aids sterben mussten, sich im gleichen Jahr 2,8 Millionen Erwachsene und Kinder neu an HIV invizierten, was schließlich und endlich zu schätzungsweise 24,7 Millionen HIV-Infizierten in den südlich der Sahara gelegenen Ländern Afrikas führte (2006).
Aber viele (ver)hungern einfach nur.
Was aber, wenn der Schoß der Familie längst nicht mehr am Leben ist? Erschossen, verbrannt, in die Luft gesprengt, verhungert oder an Aids gestorben.
Dann verstehe ich, wenn mich nichts mehr zuhause halten würde, denn wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt!!! Und das ist gut so.
So wird sich ein Boot geschnappt, die letzten Pesos zusammengekratzt, der Schlepper bezahlt und auf gut Glück beispielsweise Malta oder die Kanaren angepeilt, mit der Hoffnung auf eine ruhige Überfahrt. Das soll heißen: Nicht kentern, und ist weit entfernt von Gemütlichkeit und Captains-Dinner!
Letztendlich, wenn alles gut läuft wird man dann von Fischern, Küstenwache oder sonstigen Seebären aus dem Wasser gefischt und an Land gebracht, aufgepäppelt, aufgenommen, abgewiesen oder eingesperrt. Viele werden letztendlich abgewiesen, dürfen jedoch im Land bleiben, jedoch nicht weiterreisen, höchstens nach Keinzuhause fahren, erhalten die niedrigsten Sozialleistungen und können, wenn überhaupt, die jenen Jobs erledigen, auf die niemand so wirklich Bock hat.
Dear European Union, what shall we do with the drunken Sailors?
Und was machen Yvonne und ich nun so den lieben langen Tag? – Bisher Formulare ausfüllen, Schreiben aufsetzen, Türsteher spielen, aber nein, keinen Kaffee kochen, höchstens unseren eigenen.
Für den Anfang kann ich gut mit meinem bisherigen und stetig wachsenden Aufgabenbereich leben, aber früher oder später muss ich soweit wie möglich an die Front, sprich in die geschlossenen Lager, an die Küste und zu den Interviews.
Mir geht trotz alledem sehr gut und ich hoffe Euch mindestens genauso.
Bis demnächst!
Euer Tobias
White Night, der Premierminister und Ich
Oktober 5, 2008
Nicht nur dass ich seit gestern aufgrund meines Auszugs aus Yvonnes Appartement in ein schnuckeliges Zimmer der Villa Kavallieri wieder im Genuss von Privatsphäre schwelge, habe ich doch eine Menge hoch zwei erlebt.
Da waren unter anderem der Premierminister von Malta an meiner Seite, ein pathetischer Gospel Chor der mein Herz gestriffen hat, Feuerwerk und Frieren auf der Fähre angesagt!
All das kam im Rahmen der White Nights über mich! Ja, hier ist was los! Und dann noch die freundlichen Menschen und die Malteser Mädels mit ihren süßen Stupsnasen und grau-blauen Augen! Gefährliche Mischung! Aber keine Angst, liebe Mama, lieber Papa, meinen Abschluss mach ich auf jeden Fall noch in Deutschland! Versprochen!
Zurück zum Text:
Die White Night ist eine nächtliche Veranstaltung in den Gassen von Valletta. Neben geöffneten Museen und Kirchen werden allerhand Musik geträllert, Köstlichkeiten unters Volk gebracht und man gelangt an Orte, welche die OttonormalEuropäerIn genauso wenig wie die Malteser Musterfrauen und -männer in der Regel nicht zu Gesicht bekommen. Außer eben man ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Also Valletta zu Zeiten der White Night. Infolge dessen hatte ich mich ans hintere Ende einer langen Schlange geparkt und schwups, eine halbe Stunde später passierte ich die schwer bewaffneten Wachen am Eingang zum Präsidentenpalast.
Schmuckes Häuschen, ob Herr Lawrence Gonzi wohl Miete zahlen muss? Wenn er nicht gerade in Toronto wäre könnte ich Ihn selber fragen, hatte ich gedacht und erneut schwupdiwups war der Premierminister von Malta in da House! Der musste natürlich erstmal kräftig Hände schütteln, Photos knipsen und freundlich sein bevor er sich endlich zu mir durchkämpfen konnte um mir Hallo zu sagen und mir meine Wünsche zu erfüllen.
Aber so nen Premierminister trifft man nicht jeden Tag und das noch dazu bei ihm zuhause. Also war ich schon nen Quäntchen aufgeregt, dabei aber ganz artig, gab ihm die Hand und lies mir noch seinen Servus auf meinen Schwimmreifen kritzeln. Quatsch, sowas gehört sich doch nicht! Aber ne Unterschrift hab ich dennoch bekommen, aber ich sag Euch jetzt nicht wohin. Betriebsgeheimnis! Wir wollen doch die deutsch-maltesische Freundschaft nicht aufs Spiel setzen.
Damit ihr, medienverwöhnt wie Ihr seid, noch etwas von diesem tollen Tag aufs Auge und die Ohren bekommen könnt, hab ich Euch noch ein paar neue Medien gezaubert!
Viel Spaß dabei!
Bis bald!
PS: Yvonne hat gestern Bernd Stromberg am Flughafen getroffen!
Abgeflogen und eingecheckt!
Oktober 3, 2008
Nun bin ich hier! Schwitze wie ein Esel (Können Esel überhaupt schwitzen? Egal!) und versuche mich zu orientiern! Klappt soweit ganz gut!
Heute war ich mit einer Marklerin aus Birmingham unterwegs, die mich am Ende unserer Reise „Darling“ geheißen hat. Naja, besser als Schätzken oder son Pipapo!
Naja, nichtsdestotrotz hab ich mein Vorhaben verwirklicht und mir eine traumhafte Wohnung in einer altbackenen Gasse mitten in Valletta, der Hauptstadt Maltas, unter den Nagel gerissen. Übrigens ist Valletta mit etwa 14.000 Einwohnern die kleinste Hauptstadt der EU. Zum Vergleich, in Berlin alias Haupstadt vom Germanenland, tummeln sich momentan um die 3.400.000 BerlinerInnen und Zugereiste.
Leider muss ich jetzt die Tage bis zum Einzug am 14. Oktober im Garden View Holiday Complex am Pool rumhängen und zum Beispiel heute ums Eck in Paceville Party feiern gehen. Manchmal kommt es doch anders als man denkt!
Nun schenk ich mir reinen malteser Wein ein und lasse das Geschreibe für heute sein!
Haut rein!



























